Studie · 11. Februar 2026 · 3,05 MB · Aktualisiert 08. August 2026

2026 Operations Studie

Wo Industrieunternehmen 2026 operative Wirkung erzielen — von Resilienz und Working Capital bis zur KI-gestützten Produktion.

Studienleitung: Tobias Bock — Managing Partner, NEXERY München

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2026 Operations Studie
// Warum diese Studie

Relevanz & Mehrwert

Operations-Programme werden häufig auf Stückkosten optimiert und an Stückkosten gemessen. In einem Umfeld mit volatiler Nachfrage, gestörten Lieferketten und deutlich teurerem Kapital ist das die falsche Zielgröße. Wer Kapitalbindung und Lieferfähigkeit ausblendet, senkt Kosten und erhöht gleichzeitig das Risiko.

  • Kapitalbindung ist teurer geworden. Bestände, die früher Puffer waren, sind heute ein bewerteter Kostenblock.
  • Working Capital wirkt schneller auf die Liquidität als jedes Kostenprogramm — Bestände, Forderungen, Zahlungsziele.
  • KI ist in Planung, Qualitätssicherung und Aftersales operationsfähig geworden; abseits davon bleibt sie Pilotthema.
  • Automatisierungs-Business-Cases aus der Niedrigzinsphase tragen nicht unverändert weiter und gehören neu gerechnet.
Key Findings

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  • 01

    Resilienz vor Kostenoptimum

    Volatilität in Nachfrage und Lieferketten verlagert Priorität von reiner Kostenlogik zu belastbaren Netzwerken.

  • 02

    Working Capital bleibt Cash-Hebel

    Bestände, Forderungen und Lieferantenlaufzeiten sind der schnellste Zugriff auf Liquidität in 2026.

  • 03

    KI wird operationsfähig

    Produktionsplanung, Qualitätssicherung und Aftersales sind die ersten Bereiche mit skalierbarem KI-Nutzen.

  • 04

    Automatisierung neu bewerten

    Hohe Zinsen und Lohnkostendruck verändern Business Cases — nicht jede Automatisierung rechnet sich weiter automatisch.

  • 05

    Führung und Standards entscheiden

    Operative Wirkung entsteht aus konsequenter Umsetzung, Standardarbeit und Führung — nicht aus einzelnen Tools.

// Für wen relevant

Zielgruppen & Erkenntnis

  • COO / Werkleitung

    Priorisierung operativer Hebel — von Resilienz bis KI-gestützter Produktion — mit klarer Wirkung auf Kosten und Lieferfähigkeit.

  • Head of Supply Chain

    Lieferketten-Resilienz, Working Capital und Bestandsstrategie unter Volatilität.

  • Head of Manufacturing / Engineering

    Wo KI und Automatisierung 2026 realen Produktivitätsbeitrag liefern — und wo nicht.

  • CFO / Controlling

    Belastbare Business Cases für Operations-Investitionen jenseits von Effizienzversprechen.

// Vertiefung

Resilienz ist keine Kostenposition, sondern eine Auslegungsentscheidung

Über Jahre wurden industrielle Netzwerke auf das Kostenoptimum ausgelegt: Single Sourcing bei niedrigsten Stückkosten, minimale Bestände, hohe Auslastung, lange Transportwege bei niedrigen Frachtraten. Diese Auslegung war rational, solange Nachfrage und Beschaffung planbar waren.

Unter Volatilität kippt die Rechnung. Die Kosten einer Lieferunterbrechung — Sonderfahrten, Umplanung, Konventionalstrafen, verlorene Aufträge — übersteigen die eingesparten Stückkosten regelmäßig um ein Vielfaches. Damit ist Resilienz keine weiche Zusatzanforderung, sondern eine Auslegungsentscheidung mit eigener Wirtschaftlichkeitsrechnung.

Praktisch heißt das: Zweitquellen für kritische Teile, bewusste Bestandsstrategie nach Kritikalität statt pauschaler Reduktion, und Transparenz über die tatsächliche Lieferantenstruktur bis in die zweite Ebene.

Working Capital bleibt der schnellste Zugriff auf Liquidität

Von allen operativen Hebeln wirkt Working Capital am schnellsten auf die Liquidität. Der Grund ist strukturell: Bestände, Forderungen und Verbindlichkeiten sind bereits gebundenes Kapital, das freigesetzt werden kann — ohne Investition, ohne Vorlaufzeit, ohne arbeitsrechtliche Fristen.

Drei Ansatzpunkte tragen den größten Teil der Wirkung: Bestandsreichweiten nach Artikelkritikalität statt pauschaler Zielwerte, konsequente Forderungssteuerung mit klaren Eskalationsstufen, und die Konditionensystematik gegenüber Lieferanten.

Entscheidend ist die Nachhaltigkeit. Stichtagsbezogene Bestandsreduktion vor dem Bilanzstichtag ist keine Verbesserung, sondern eine Verschiebung. Der Nachweis muss über den Durchschnitt geführt werden, nicht über den Stichtag.

KI wird operationsfähig — aber nicht überall

Der Übergang von der Erprobung zur produktiven Nutzung vollzieht sich in industriellen Operations sehr ungleichmäßig. In drei Bereichen ist er weitgehend erfolgt: Produktionsplanung und Bedarfsprognose, Qualitätssicherung mit bildgebender Prüfung, und technischer Service mit Aftersales-Dokumentation.

Diese Bereiche teilen drei Eigenschaften: ausreichende und strukturierte Datenlage, klar messbarer Nutzen, und ein begrenzter Änderungsbedarf an bestehenden Prozessen. Wo eine dieser Bedingungen fehlt, bleiben Anwendungen im Pilotstadium — unabhängig von der Modellqualität.

Für die Priorisierung folgt daraus eine einfache Prüfung: Liegen die Daten vor, ist der Nutzen messbar, und ist der Prozess änderbar? Drei Ja bedeuten Skalierung. Ein Nein bedeutet Vorarbeit, nicht Verzicht.

Automatisierungs-Business-Cases gehören neu gerechnet

Viele Automatisierungsentscheidungen der vergangenen Jahre basieren auf Annahmen aus einer Phase niedriger Kapitalkosten. In dieser Konstellation rechnete sich fast jede Substitution von Arbeitszeit durch Kapital.

Mit veränderten Finanzierungskosten verschiebt sich die Schwelle. Gleichzeitig wirkt Lohnkostendruck in die Gegenrichtung. Das Ergebnis ist keine pauschale Aussage, sondern eine Notwendigkeit zur Einzelfallrechnung: Anlagen mit hoher Auslastung und stabilem Produktmix rechnen sich weiterhin, variantenreiche und niedrigfrequente Anwendungen häufig nicht mehr.

Die praktische Konsequenz ist unbequem, aber wichtig: Ein Automatisierungsvorhaben, das vor drei Jahren freigegeben wurde und noch nicht umgesetzt ist, sollte vor der Umsetzung erneut gerechnet werden — nicht nur budgetiert.

Operative Wirkung entsteht aus Führung und Standardarbeit

Die wiederkehrende Beobachtung in Operations-Programmen lautet: Der Unterschied zwischen Werken mit vergleichbarer Ausstattung und Produktstruktur liegt selten in der Technologie. Er liegt in der Führungsroutine.

Standardarbeit, ein funktionierender Regelkreis aus Abweichung, Ursachenanalyse und Gegenmaßnahme, ein Shopfloor-Management, das Abweichungen sichtbar macht statt sie zu verwalten — diese Elemente erklären den größeren Teil der Leistungsunterschiede als jede einzelne Investition.

Daraus folgt die Reihenfolge: Erst die Führungsroutine stabilisieren, dann Technologie darauflegen. Wer Technologie auf einen instabilen Prozess setzt, automatisiert die Streuung mit.

Häufige Fragen

Was Sie zur Studie wissen sollten

  • Working Capital. Bestände, Forderungen und Verbindlichkeiten sind bereits gebundenes Kapital, das ohne Investition, Vorlaufzeit oder arbeitsrechtliche Fristen freigesetzt werden kann. Die größte Wirkung liegt in Bestandsreichweiten nach Artikelkritikalität, konsequenter Forderungssteuerung und der Konditionensystematik gegenüber Lieferanten. Entscheidend ist, die Verbesserung über den Durchschnitt nachzuweisen und nicht über den Bilanzstichtag.

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