Die Betrachtung der Lieferkette reicht im Whitepaper von kritischen Vormaterialien bis zur freigegebenen Ware beim Kunden. Sie folgt vier Stufen: Source (kritische Vormaterialien und Unterlieferanten), Make (Fertigung, Prüfung und Dokumentation), Sterilisation (externer Prozessschritt, der Teil des Produktionssystems ist) und Deliver (freigegebene Ware beim Kunden). Die Sterilisation nimmt eine besondere Rolle ein: Laut FDA werden rund 50 % der sterilen Medizinprodukte in den USA mit Ethylenoxid sterilisiert – ein Strukturindikator, kein EU-Anteil.
SCM verbindet die Entscheidungen entlang dieses Lieferwegs. Der Einkauf klärt, welche Kapazität ein Partner tatsächlich bereitstellen kann; die Planung berücksichtigt externe Prozesse und Freigaben. Zwei Lieferanten können denselben Unterlieferanten nutzen. Deshalb prüft das Team gemeinsame Abhängigkeiten und plant Alternativen für die gesamte Versorgung einer Produktfamilie.
Der NEXERY-Trendradar bildet die Themenbasis und ordnet zehn Handlungsfelder nach ihrem Beitrag zu Versorgung und Wirtschaftlichkeit sowie nach Handlungsbedarf ein. Sechs Felder gehören zu Strategie und Management: S&OP/IBP und Serviceziele, Geopolitik und Netzwerkdesign, Resilienz und Diversifizierung, Rückverfolgbarkeit, Cybersecurity und Wiederanlauf sowie Lebenszyklus und Kreisläufe. Vier Felder sind unterstützende Technologien: Simulation und Kapazitätsplanung, Datenintegration, KI-Agenten und Entscheidungen sowie Robotik und Automatisierung. Im Prioritätsquadranten liegen S&OP/IBP, Geopolitik und Netzwerkdesign, Resilienz und Rückverfolgbarkeit. Die Einordnung ist qualitativ; Prioritäten sind unternehmensspezifisch zu prüfen.
Jedes Trendfeld benötigt eine konkrete Änderung im Modell. Das Whitepaper verdichtet die zehn Felder zu fünf SCM-Handlungsfeldern mit Anforderungen an das Operating Model: Integrierte Planung (S&OP/IBP verbindet Mengen, Serviceziele und Finanzwirkung), Netzwerk und Resilienz (Szenarien bewerten Standorte, Kapazitäten und Reserven gemeinsam), Transparenz und Schutz (Produkt- und Freigabestatus bleiben nachvollziehbar, kritische Systeme werden geschützt), Lebenszyklus (Bestands- und Serviceregeln für Ersatzteile, Produktausläufe und Rückläufe) sowie KI und Automatisierung (Freigabegrenzen und menschliche Eingriffe sichern den Einsatz). In allen fünf Feldern führt das SCM den Prozess; beteiligt sind je nach Feld Vertrieb, Produktmanagement, Einkauf, Operations, Quality, Service, Finance, IT und Partner.