Studie · 12. November 2025 · 2,40 MB · Aktualisiert 08. August 2026

Software Defined Vehicle — Wertschöpfung im Umbruch

Wie Plattformarchitekturen und Software-Ökonomie die Wertschöpfung von OEMs und Zulieferern neu ordnen — und welche Strategieoptionen tragfähig bleiben.

Studienleitung: Tobias Bock — Managing Partner, NEXERY München

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Software Defined Vehicle — Wertschöpfung im Umbruch
// Warum diese Studie

Relevanz & Mehrwert

Die Diskussion um das Software Defined Vehicle wird häufig als Technologiethema geführt. Betriebswirtschaftlich ist sie eine Frage der Wertschöpfungsverteilung: Wer die Plattform kontrolliert, kontrolliert die Marge — und die Entscheidung darüber fällt in der Architektur, nicht im Produkt.

  • Software, Daten und Services übernehmen den Margenanteil, den früher Hardware und Antrieb hielten.
  • Zentrale E/E-Architekturen sind keine Option mehr, sondern Voraussetzung für alles Nachgelagerte.
  • Klassische Tier-1 verlieren Systemführerschaft an OEM-eigene Software- und Plattformteams.
  • Nachträgliche Monetarisierung setzt eine sauber definierte Basis-Plattform und Datenstrategie voraus — sonst bleibt sie Ankündigung.
Key Findings

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  • 01

    Wertschöpfung verschiebt sich in Software

    Software, Daten und Services übernehmen den Erlös- und Margenanteil, den früher Hardware und Antrieb hielten.

  • 02

    Plattform vor Fahrzeug

    Zentrale E/E-Architekturen und Domänencontroller werden zur Voraussetzung — nicht zur Option.

  • 03

    Zuliefererrolle neu definiert

    Klassische Tier-1 verlieren Systemführerschaft an OEM-eigene Software- und Plattformteams.

  • 04

    Time-to-Market entscheidet

    Kürzere Release-Zyklen für Software werden zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

  • 05

    Software-Erlöse brauchen Basis

    Nachträgliche Monetarisierung funktioniert nur bei sauber definierter Basis-Plattform und Datenstrategie.

// Für wen relevant

Zielgruppen & Erkenntnis

  • OEM-Vorstand / Strategie

    Neuordnung der Wertschöpfung zwischen Plattform, Software und Erlebnis strategisch einordnen.

  • Head of Software / E/E-Architektur

    Plattform- und Domänenentscheidungen mit klarem Blick auf Skalierbarkeit und Software-Ökonomie.

  • Zulieferer-Management / Einkauf

    Verschiebung von Hardware- zu Software- und Datenpartnerschaften.

  • Product / Aftersales / Digital Services

    Software-Erlöspotenziale und Kundenerlebnis über den Lebenszyklus.

// Vertiefung

Die Wertschöpfung wandert, die Kostenstruktur folgt nicht automatisch

Im klassischen Fahrzeug lag die Wertschöpfung in Antrieb, Karosserie und mechanischen Systemen. Im Software Defined Vehicle verlagert sie sich in Software, Datenverarbeitung und darauf aufbauende Dienste. Das ist inzwischen weitgehend akzeptiert.

Weniger beachtet wird die Asymmetrie des Übergangs: Die Erlösverschiebung vollzieht sich schneller als der Umbau der Kostenstruktur. Fertigungstiefe, Werksstruktur und Zuliefererbeziehungen sind auf die alte Wertschöpfung ausgelegt und lassen sich nicht im gleichen Takt anpassen.

Daraus entsteht eine charakteristische Ergebnislücke: Investitionen in Software-Kompetenz laufen an, während die Hardware-Kostenbasis noch vollständig getragen wird. Wer diese Phase nicht explizit plant, finanziert die Transformation aus einem Ergebnis, das gleichzeitig unter Druck steht.

Plattform vor Fahrzeug

Zentrale E/E-Architekturen mit Domänen- oder Zonencontrollern sind die technische Voraussetzung dafür, dass Software unabhängig vom Bauteil aktualisiert und erweitert werden kann. Ohne sie bleibt jede Funktion an ein Steuergerät gebunden — und damit an dessen Lebenszyklus.

Die betriebswirtschaftliche Bedeutung liegt in der Entkopplung. Erst wenn Funktion und Hardware getrennt sind, lassen sich Funktionen über die Fahrzeuglaufzeit ergänzen, Varianten reduzieren und Entwicklungsaufwände über Baureihen hinweg wiederverwenden.

Damit verschiebt sich die Planungslogik vom Fahrzeugprojekt zur Plattform. Entscheidungen, die früher pro Baureihe fielen, fallen jetzt einmal für mehrere Generationen — mit entsprechend höherem Risiko bei falscher Auslegung.

Die Zuliefererrolle wird neu definiert

Der klassische Tier-1 lieferte Systeme: Hardware, Software und Integrationsverantwortung in einem Paket. Genau dieses Paket zerlegen OEM derzeit, indem sie Software- und Plattformkompetenz ins eigene Haus ziehen.

Für Zulieferer entstehen daraus drei mögliche Positionen: Komponentenlieferant mit definierter Schnittstelle und entsprechend geringerem Wertanteil; Software- oder Funktionslieferant innerhalb der OEM-Plattform; oder Systempartner für Bereiche, in denen der OEM keine eigene Tiefe aufbaut.

Die Entscheidung zwischen diesen Positionen ist keine Vertriebsfrage, sondern eine Investitionsfrage. Sie bestimmt, welche Kompetenzen aufgebaut, welche gehalten und welche abgebaut werden — und sie ist mittelfristig nicht revidierbar.

Time-to-Market ersetzt Produktzyklus als Taktgeber

Fahrzeugentwicklung war über Jahrzehnte an mehrjährige Produktzyklen gebunden. Software folgt einer anderen Logik: Wettbewerbsfähigkeit entsteht aus der Fähigkeit, Funktionen kurzfristig auszuliefern, zu korrigieren und weiterzuentwickeln.

Diese beiden Takte sind nicht ohne Weiteres vereinbar. Sie erfordern getrennte Entwicklungs-, Freigabe- und Qualitätsprozesse für Hardware und Software — einschließlich einer Absicherungslogik, die kurze Release-Zyklen zulässt, ohne die funktionale Sicherheit zu gefährden.

Wo diese Trennung nicht gelingt, dominiert der langsamere Takt. Das Ergebnis ist eine Software-Organisation, die formal existiert, aber im Rhythmus der Hardwareentwicklung arbeitet — und damit ihren eigentlichen Vorteil verliert.

Software-Erlöse brauchen eine Basis, die vorher gebaut wird

Die Erwartung nachgelagerter Erlöse — Funktionen auf Abruf, Abonnements, datenbasierte Dienste — ist ein wesentlicher Teil der Investitionsrechnung im Software Defined Vehicle. Diese Erlöse sind jedoch nicht nachträglich herstellbar.

Sie setzen voraus, dass die Fahrzeugplattform die entsprechende Hardware bereits enthält, dass Datenerfassung und Rechteverwaltung sauber definiert sind, dass Update-Fähigkeit über die Laufzeit gesichert ist und dass die vertragliche und datenschutzrechtliche Grundlage steht. Alle vier Punkte sind Architekturentscheidungen, die im Fahrzeugprojekt fallen.

Daraus folgt die praktische Reihenfolge: Erst die Plattform- und Datenstrategie definieren, dann das Geschäftsmodell darauf bauen. Umgekehrt entstehen Erlöserwartungen, die technisch nicht einlösbar sind.

Häufige Fragen

Was Sie zur Studie wissen sollten

  • Ein Fahrzeug, dessen Funktionen überwiegend über Software definiert werden und über die Laufzeit aktualisierbar sind. Technische Voraussetzung sind zentrale E/E-Architekturen mit Domänen- oder Zonencontrollern, die Funktion und Hardware entkoppeln. Betriebswirtschaftlich bedeutet das eine Verlagerung der Wertschöpfung von Antrieb und Mechanik in Software, Daten und darauf aufbauende Dienste.

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