Whitepaper · 01. September 2026 · 1,42 MB

Wer profitiert vom Wachstum der Halbleiterindustrie?

Equipmentmarkt +38 % bis 2028: Welche Zulieferer profitieren und wie Lieferanteil und Gutmenge den erreichbaren Umsatz begrenzen. Mit NEXERY-Modellrechnung.

Studienleitung: Tobias Bock — Managing Partner, NEXERY München

StrategyOperationsTechnologyManufacturing
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Wer profitiert vom Wachstum der Halbleiterindustrie?
// Warum diese Studie

Relevanz & Mehrwert

SEMI erwartet fünf Wachstumsjahre in Folge; der Equipmentmarkt soll bis 2028 um 38 % auf 229,5 Mrd. USD zulegen. HBM, zusätzliche NAND-Schichten und komplexere Logikchips verschieben die Nachfrage zwischen Prozessschritten. Für Zulieferer ist die Prognose real, doch welcher Anteil erreichbar ist, entscheiden Kundenprogramm, Freigabe, Gutmenge und Finanzierungskraft – der Fall VAT mit +75 % Auftragseingang bei gleichzeitig sinkendem Free Cashflow zeigt, dass Wachstum zuerst Aufwand bedeutet.

  • Die Marktzahlen 2026–2028 für Gesamtmarkt, WFE, Test, Packaging, NAND und DRAM mit Quelle SEMI.
  • Eine nachvollziehbare Formel, um aus Anlagenstückzahl, Teilebedarf, Lieferanteil und Gutquote den erreichbaren Umsatz, den Deckungsbeitrag und den Finanzierungsbedarf abzuleiten.
  • Vier Wachstumsoptionen mit Kriterien und jeweils nächster Entscheidung – von „Kapazität erweitern" bis „Engagement begrenzen".
Key Findings

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie

  • 01

    Equipmentmarkt +38 % bis 2028

    SEMI erwartet weltweite Anlagenumsätze von 165,9 Mrd. USD (2026) auf 229,5 Mrd. USD (2028) – 17,6 % pro Jahr und fünf Wachstumsjahre in Folge.

  • 02

    WFE trägt 56 Mrd. USD des Zuwachses

    Wafer-Fab-Equipment wächst von 143,9 auf 200,0 Mrd. USD (+39,0 %); Test (15,3 → 20,8) und Packaging (6,7 → 8,6 Mrd. USD) bleiben daneben kleine Segmente.

  • 03

    Speicher wächst am schnellsten

    Kumuliert 2026–2028: +49,6 % NAND-, +46,6 % DRAM- und +35,9 % Test-Equipment – HBM, zusätzliche NAND-Schichten und komplexere Logikchips verschieben den Bedarf zwischen Prozessschritten.

  • 04

    Marktgröße ist nicht Umsatzpotenzial

    Segment, Prozessschritt, Anlagenmix und Freigabestatus bestimmen, welcher Teil der Prognose für einen Zulieferer erreichbar ist – Prozessrelevanz schlägt Segmentwachstum.

  • 05

    Gutmenge begrenzt den Umsatz

    Modellrechnung: 150 Anlagen × 200 Teile × 40 % Lieferanteil = 12.000 Teile Bedarf; bei 85 % Gutquote sind 10.200 Teile lieferbar – 2,55 Mio. € Umsatz und 450.000 € Umsatzlücke.

  • 06

    Wachstum kostet zuerst Geld

    Aus 2,55 Mio. € bleiben 765.000 € Deckungsbeitrag und 565.000 € vor Fixkosten – bei 800.000 € Finanzierungsbedarf. Der Fall VAT (+75 % Auftragseingang, Free Cashflow −17,6 %) bestätigt das Muster.

// Für wen relevant

Zielgruppen & Erkenntnis

  • Geschäftsführung / CFO von Zulieferern

    Erreichbaren Umsatz, Deckungsbeitrag und Finanzierungsbedarf eines Kundenprogramms in vier Schritten nachrechnen.

  • Systemlieferanten & Subsystem-Spezialisten

    Die eigene Position in der Equipment-Wertschöpfungskette einordnen: Plattformzugang, Serviceerlöse, Kundenkonzentration.

  • Strategie & Business Development

    Wachstumsfelder NAND, DRAM, Logik, Test und Packaging mit SEMI-Zahlen bewerten und die Einstiegsentscheidung strukturieren.

  • Beiräte, Investoren & Finanzierer

    Kapazitätsausbau und Hochlauf anhand von Gutmenge, Hochlaufkosten und Vorfinanzierung bewerten – nicht anhand des Auftragseingangs.

  • Vertrieb & Programmmanagement

    Lieferanteile, Freigabepläne und Kundenprogramme mit einer belastbaren Umsatz- und Gutmengenlogik verhandeln.

Methodik

Wie wir vorgegangen sind

Stichprobe
18 externe Kernquellen: der SEMI Equipment Forecast 2028 sowie Geschäfts- und Halbjahresberichte von 14 Unternehmen der Equipment-Lieferkette (ASML, Applied Materials, Lam Research, KLA, Tokyo Electron, ASM, Advantest, Besi, ZEISS, TRUMPF, VAT, MKS, Comet, INFICON), ergänzt um imec und die EU-Kommission (NanoIC-Pilotlinie). Der Fall VAT ist ein Einzelfall, keine repräsentative Stichprobe.
Erhebungszeitraum
Prognosezeitraum 2026–2028 (SEMI Forecast vom 14.07.2026); Unternehmensdaten FY2024/25 bis H1 2026 (VAT-Halbjahresmeldung 22.07.2026); Quellenstand 10.08.2026, Belegprüfung September 2026.
Vorgehen
Sekundäranalyse externer Marktprognosen und Unternehmensberichte, strikt getrennt gekennzeichnet von eigenen NEXERY-Analysen (Prozentänderungen, Rollenmodell der Wertschöpfungskette, isometrische Synthesen). Eine illustrative Jahres-Modellrechnung und ein Entscheidungsmodell mit vier Optionen übersetzen die Marktdaten in erreichbares Umsatzpotenzial und Wachstumsentscheidung; die Beispielrechnung ist kein realer Unternehmensfall.
Daten & Charts

Ausgewählte Ergebnisse in Zahlen

  • Balkendiagramm: Der weltweite Halbleiter-Equipmentmarkt wächst laut SEMI von 165,9 Mrd. USD (2026e) auf 229,5 Mrd. USD (2028e); WFE steigt von 143,9 auf 200,0 Mrd. USD, Test von 15,3 auf 20,8 und Packaging von 6,7 auf 8,6 Mrd. USD.
    Balkendiagramm: Der weltweite Halbleiter-Equipmentmarkt wächst laut SEMI von 165,9 Mrd. USD (2026e) auf 229,5 Mrd. USD (2028e); WFE steigt von 143,9 auf 200,0 Mrd. USD, Test von 15,3 auf 20,8 und Packaging von 6,7 auf 8,6 Mrd. USD.
  • Balkendiagramm: NAND-Equipment wächst 2026–2028 kumuliert am stärksten mit +49,6 %, gefolgt von DRAM (+46,6 %), WFE (+39,0 %), Gesamtmarkt (+38,3 %) und Test-Equipment (+35,9 %).
    Balkendiagramm: NAND-Equipment wächst 2026–2028 kumuliert am stärksten mit +49,6 %, gefolgt von DRAM (+46,6 %), WFE (+39,0 %), Gesamtmarkt (+38,3 %) und Test-Equipment (+35,9 %).
  • Wasserfalldiagramm der NEXERY-Modellrechnung: Aus 2,55 Mio. € Jahresumsatz bleiben nach variablen Kosten 765.000 € Deckungsbeitrag und nach 200.000 € Hochlaufkosten 565.000 € vor Fixkosten; separat sind 800.000 € Finanzierung nötig.
    Wasserfalldiagramm der NEXERY-Modellrechnung: Aus 2,55 Mio. € Jahresumsatz bleiben nach variablen Kosten 765.000 € Deckungsbeitrag und nach 200.000 € Hochlaufkosten 565.000 € vor Fixkosten; separat sind 800.000 € Finanzierung nötig.
// Vertiefung

Der Equipmentmarkt soll bis 2028 um 38 Prozent wachsen

Die Ausgangslage ist eindeutig: Der Branchenverband SEMI prognostiziert in seinem Equipment Forecast vom 14. Juli 2026 weltweite Anlagenumsätze von 165,9 Mrd. USD für 2026 und 229,5 Mrd. USD für 2028. Das entspricht einem Zuwachs von 38,3 Prozent in zwei Jahren oder 17,6 Prozent pro Jahr. SEMI erwartet damit fünf Wachstumsjahre in Folge. Gemeint sind die weltweiten OEM-Umsätze der Anlagenhersteller, also das, was Chipfertiger für neue Anlagen ausgeben.

Den größten Teil dieses Wachstums trägt die Ausrüstung für die Waferfertigung (Wafer Fab Equipment, WFE). Sie soll von 143,9 auf rund 200,0 Mrd. USD wachsen – ein Plus von 39,0 Prozent und 56,1 Mrd. USD zusätzlicher Anlagenumsatz. Testanlagen legen von 15,3 auf 20,8 Mrd. USD zu, Montage- und Gehäusetechnik (Packaging) von 6,7 auf 8,6 Mrd. USD. Alle drei Segmente wachsen, aber in sehr unterschiedlicher absoluter Größenordnung: WFE bleibt mit Abstand das größte Segment, Test und Packaging bleiben vergleichsweise kleine Märkte.

Für das Management eines Zulieferers ist die zentrale Folgerung des Whitepapers, dass der Markt breit, aber nicht gleichmäßig wächst. Segment, Prozessschritt, Anlagenmix und Freigabestatus bestimmen, welcher Teil der Prognose für ein einzelnes Unternehmen überhaupt erreichbar ist. Ein Zulieferer, dessen Teile nur in einem Segment oder in einem einzigen Anlagenprogramm verbaut werden, sieht einen anderen Markt als ein Spezialist mit Freigaben bei mehreren Anlagenherstellern. Die Größe des Gesamtmarktes ist deshalb nicht mit dem individuellen Umsatzpotenzial gleichzusetzen.

Das Whitepaper nutzt die SEMI-Zahlen bewusst als Rahmen und nicht als Versprechen. Die Werte für 2026 und 2028 sind als Prognosen gekennzeichnet, und die Prozentänderungen zwischen den beiden Jahren sind eigene NEXERY-Berechnungen auf Basis der SEMI-Daten. Wer aus dem Marktwachstum eine Investitionsentscheidung ableiten will, muss die Kette vom Gesamtmarkt über das Segment und das konkrete Kundenprogramm bis zur eigenen Gutmenge durchrechnen – genau diese Kette bauen die folgenden Kapitel auf.

Wer entwickelt, integriert und zuliefert: die Equipment-Wertschöpfungskette

Bevor sich das Umsatzpotenzial eines Unternehmens bestimmen lässt, muss klar sein, an welcher Stelle der Kette es steht. Das Whitepaper beschreibt die Equipment-Wertschöpfung mit einem Rollenmodell aus sechs Stufen, das als isometrische NEXERY-Synthese dargestellt ist. Am Anfang steht die begleitende Forschung: Institute wie imec und Pilotlinien – etwa die von der EU-Kommission geförderte NanoIC-Pilotlinie – erproben neue Verfahren, bevor sie in Serienanlagen übernommen werden. Anlagenhersteller wie ASML und Applied Materials integrieren die Gesamtsysteme. Schlüsseltechnologien kommen von Partnern wie ZEISS und TRUMPF, die Optik und Laserquellen liefern. Systemlieferanten wie VAT und MKS steuern Vakuum- und Prozesssysteme bei. Darunter liegen die Unterlieferanten (Tier n) mit Werkstoffen, Präzisionsteilen und Spezialverfahren. Am Ende der Kette stehen die Chipfertiger als Kunden, die die Anlagen installieren und betreiben.

Zwei Präzisierungen sind wichtig. Erstens bezeichnet „Tier n" eine vorgelagerte Lieferstufe und keine Größenklasse: Ein Unterlieferant kann ein kleiner Spezialist oder ein großer Werkstoffkonzern sein. Zweitens wirken Service und Nachrüstung nicht nur beim Anlagenverkauf, sondern entlang der gesamten installierten Anlagenbasis – ein Punkt, der bei der Bewertung der Ertragskraft wieder auftaucht. Die Lieferbeziehung bestimmt die Stufe: Wer direkt an den Anlagenhersteller liefert, hat einen anderen Kundenzugang und andere Freigabeprozesse als ein Zulieferer, der über einen Systemlieferanten in die Anlage gelangt.

Das Management Summary fasst diesen Zusammenhang unter „Spezialisierung schafft Kundenzugang" zusammen: Optik, Vakuumtechnik und Präzisionsteile verdeutlichen die Rollen der Zulieferer, Forschung begleitet die technische Entwicklung, und die Lieferstufe hängt von der Kundenbeziehung ab. Das Rollenmodell ist ausdrücklich schematisch – die genannten Unternehmen sind Beispiele, keine vollständige Landkarte und keine Rangliste. Es liefert aber die Struktur, mit der ein Zulieferer seine eigene Position, seine Kunden und seine Abhängigkeiten einordnen kann. Die Quellen für dieses Kapitel sind die Geschäftsberichte von ASML, ZEISS, TRUMPF, VAT und MKS sowie die Übersichten von imec und der EU-Kommission zur NanoIC-Pilotlinie.

Wachstumsfelder: Speicher, Logik und Test wachsen unterschiedlich – Prozessrelevanz entscheidet

Innerhalb des Equipmentmarktes verlaufen die Wachstumskurven sehr unterschiedlich. Nach der NEXERY-Berechnung auf Basis des SEMI Equipment Forecast vom Juli 2026 wachsen Anlagen für NAND-Speicher von 2026 bis 2028 kumuliert um 49,6 Prozent, Anlagen für DRAM um 46,6 Prozent und Testanlagen um 35,9 Prozent. Speicher und Test gewinnen damit an Gewicht, und der Komponentenbedarf folgt diesem Anlagenmix.

Hinter den Zahlen stehen technologische Verschiebungen. Speicher mit hoher Bandbreite (HBM) und zusätzliche NAND-Schichten verändern den Bedarf an Beschichtung, Ätzen, Vakuum- und Hochfrequenztechnik. Führende Logikchips benötigen anspruchsvollere Lithografie und Prozesskontrolle. Gehäusetechnik und Test verbinden und prüfen mehrere Chipbausteine. Das Whitepaper ordnet die Prozessschritte deshalb drei Feldern zu: Logik steht für Lithografie und Prozesskontrolle, Speicher für Beschichten und Ätzen, Gehäuse und Test für Verbinden, Prüfen und Messen. Ein Zulieferer muss deshalb nicht das Segmentwachstum, sondern das konkrete Anlagenprogramm und seinen Teilebedarf bewerten.

Entscheidend ist die zweite Erkenntnis des Kapitels: Gleiche Wachstumsraten führen nicht automatisch zu gleichen Margen oder wiederkehrenden Erlösen. Was die Ertragskraft bestimmt, sind die Bedeutung im Prozess, die Dauer der Freigabe, die installierte Anlagenbasis, der Zugang zum Servicegeschäft und die Einsetzbarkeit über mehrere Anlagenplattformen. Das Whitepaper zeigt das an vier technischen Positionen mit ihren Geschäftsmodellen. In Lithografie und Optik integriert ASML die Gesamtanlage, während ZEISS und TRUMPF gemeinsam entwickelte Schlüsseltechnologien liefern; hohen Eintrittshürden steht eine starke Abhängigkeit von wenigen Programmen und Entwicklungsplänen gegenüber. In Beschichtung und Ätzen verbinden Applied Materials, Lam Research und Tokyo Electron Verfahrenswissen, installierte Anlagenbasis und Dienstleistungen – Wert entsteht beim Anlagenverkauf und während der gesamten Nutzungsdauer. In der Prozessüberwachung erzielen KLA und Spezialisten Erlöse mit Daten, Messtechnik und Inspektion; komplexere Technologiegenerationen erhöhen den Bedarf an Messung und Regelung. In Gehäusefertigung und Test profitieren Advantest und Besi von HBM, Chiplets und wachsender Testkomplexität, ihre Märkte bleiben jedoch zyklisch.

Für einen Zulieferer bedeutet das: Die Frage lautet nicht nur, ob das eigene Segment wächst, sondern ob die eigene Position im Prozess relevant genug ist, um an Freigaben, Service und Plattformen teilzuhaben. Die genannten Unternehmen sind illustrative Beispiele, die Prozentwerte kumulierte Prognosen für 2026 bis 2028.

Spezialisten beliefern mehrere Anlagenprogramme – und was der Fall VAT über den Hochlauf zeigt

Eine besonders interessante Position in der Kette haben Subsystem-Spezialisten. Vakuumtechnik, Hochfrequenzversorgung und Messtechnik verbinden technische Spezialisierung mit Zugang zu mehreren Anlagenherstellern. Das Whitepaper nennt vier Beispiele: VAT für Vakuumventile, MKS für Prozess- und Hochfrequenzsysteme, Comet für Hochfrequenzversorgung und INFICON für Messung und Leckprüfung. Mehrere Kunden verbreitern den Absatz. Wie attraktiv eine Position tatsächlich ist, hängt aber auch von Kundenkonzentration, Plattformzugang und Serviceerlösen ab. Und eine Freigabe gilt immer nur im vereinbarten technischen Umfang – ein für eine Plattform freigegebenes Bauteil ist nicht automatisch für die nächste qualifiziert. Die Beispiele bilden ausdrücklich keine Rangliste; Quellen sind die Unternehmensberichte 2025/26 der vier Firmen.

Was Wachstum auf dieser Stufe operativ bedeutet, zeigt der Fall VAT anhand der Halbjahresmeldung vom 22. Juli 2026. Der Auftragseingang stieg im ersten Halbjahr 2026 um 75,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreshalbjahr auf 856,4 Mio. CHF. Der Umsatz lag mit 511,9 Mio. CHF dagegen 8,3 Prozent unter dem Vorjahreswert – bei konstanten Wechselkursen betrug die Veränderung jedoch +0,1 Prozent. Wechselkurse erklären also einen wesentlichen Teil des berichteten Umsatzrückgangs. Gleichzeitig baute VAT Kapazität auf: Die Zahl der Vollzeitäquivalente stieg von Dezember 2025 bis Juni 2026 um 709 auf 3.959, ein Plus von 22 Prozent; gegenüber Juni 2025 betrug der Zuwachs 16,2 Prozent. Das Unternehmen berichtet über Kosten des Kapazitätsaufbaus und den Ausbau seiner Lieferkette. Der freie Cashflow lag bei 41,8 Mio. CHF und damit 17,6 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Der Fall belegt, dass hoher Auftragseingang Personal, zusätzliche Kapazität und Vorfinanzierung erfordert. Der Aufbau verursacht Aufwand, bevor das volle Liefer- und Umsatzniveau erreicht ist. Das Whitepaper zieht zugleich klare Grenzen: Die Angaben belegen weder eine alleinige Ursache bei kleinen Unterlieferanten noch deren generelle Überforderung, und der berichtete Umsatzrückgang ist von Wechselkurseffekten zu trennen. Es handelt sich um einen Einzelfall, keine repräsentative Stichprobe. Das Key Takeaway lautet dennoch eindeutig: Für die Wachstumsentscheidung zählen erreichbare Liefermengen, Kosten des Kapazitätsaufbaus und Finanzierung. Eine hohe Auftragsdynamik allein ersetzt diese Prüfung nicht.

Kundenbedarf und Gutmenge bestimmen den erreichbaren Umsatz: die Modellrechnung

Das Herzstück des Whitepapers ist eine illustrative Jahresrechnung für ein freigegebenes Bauteil. Sämtliche Werte sind NEXERY-Annahmen und keine Unternehmensprognose; die Rechnung ist kein realer Unternehmensfall. Ihr Zweck ist, die Kette von der Marktprognose bis zum eigenen Umsatz transparent zu machen.

Der Ausgangspunkt ist das Kundenprogramm: 150 Anlagen mit je 200 Teilen, bei denen der Zulieferer einen Lieferanteil von 40 Prozent hält, ergeben einen Bedarf von 12.000 Teilen pro Jahr. Der zweite Schritt ist die freigegebene Gutmenge: Bei 12.000 Bruttoteilen Kapazität und einer nutzbaren Gutquote von 85 Prozent sind 10.200 Teile lieferbar. Daraus folgt der erreichbare Umsatz: 10.200 lieferbare Teile zu 250 Euro je Teil ergeben 2,55 Mio. Euro bei ausreichendem Bedarf. Die Differenz ist die Umsatzlücke: 1.800 fehlende Gutteile zu 250 Euro entsprechen 450.000 Euro, die der Zulieferer trotz vorhandenen Bedarfs nicht realisiert. Erst freigegebene Gutteile bedienen den Bedarf – die Anlagenstückzahl allein sagt nichts über den Umsatz.

Der dritte Teil der Rechnung trennt Umsatz, Ergebnis und Finanzierung. Bei angenommenen variablen Kosten von 175 Euro je Gutteil verbleiben 765.000 Euro Deckungsbeitrag. Nach 200.000 Euro zusätzlichen Hochlaufkosten sind es 565.000 Euro vor den bestehenden Fixkosten. Davon getrennt steht der Finanzierungsbedarf: 450.000 Euro Investitionen und 350.000 Euro zusätzliches Betriebskapital ergeben insgesamt 800.000 Euro, die vorfinanziert werden müssen, bevor der Umsatz fließt. Das Whitepaper stellt diese Zusammenhänge als Wasserfall vom Umsatz über variable Kosten und Hochlaufkosten bis zum Ergebnis vor Fixkosten sowie als separaten Finanzierungsblock dar.

Die Botschaft für das Management ist, dass zusätzlicher Umsatz Investitionen und Betriebskapital benötigt. Deckungsbeitrag, Hochlaufkosten und Finanzierung gehören deshalb in jede Wachstumsentscheidung – und zwar getrennt bewertet, weil ein positiver Deckungsbeitrag noch nichts über die Liquidität in der Hochlaufphase aussagt. Die vier Rechenschritte lassen sich mit den eigenen Programmdaten – Anlagenstückzahl, Teile je Anlage, Lieferanteil, Gutquote, Stückpreis, variable Kosten – unmittelbar nachvollziehen. Alle Werte sind Jahreswerte, der Umsatz ist ohne Umsatzsteuer angegeben.

Vier Optionen richten das Wachstum am Unternehmen aus – Entscheidungsmodell und Methodik

Aus Marktdaten, Positionsanalyse und Modellrechnung leitet das Whitepaper ein Entscheidungsmodell mit vier Optionen ab. Drei Kriterien entscheiden über die nächste Investition: die technische Eignung, der Zugang zum Kunden und der wirtschaftliche Beitrag. Für jede Option nennt das Modell, wann sie sinnvoll ist und welche Entscheidung als Nächstes ansteht.

Die erste Option betrifft das bestehende Geschäft: Kapazität erweitern. Sie ist sinnvoll, wenn ein Kunde belastbaren Mehrbedarf hat, das Bauteil freigegeben ist und die zusätzliche Gutmenge einen positiven Deckungsbeitrag liefert. Die nächste Entscheidung ist dann, Ausbau und Finanzierung freizugeben. Die zweite Option zielt auf weitere Kunden: Kundenbasis erweitern. Sie passt, wenn die vorhandene Technik zu weiteren Anlagenprogrammen passt und Anpassung sowie erneute Freigabe zeitlich und wirtschaftlich tragfähig sind. Der nächste Schritt ist, einen Pilotkunden und einen Freigabeplan festzulegen. Die dritte Option erschließt ein neues Wachstumsfeld: Neues Segment erschließen. Voraussetzung ist ein klarer Kompetenzvorteil, der auf prüfbaren Kundenbedarf trifft, wobei Entwicklungszeit und Verlustrisiko zu den verfügbaren Mitteln passen müssen. Entwicklung und Erprobung werden dann gestuft finanziert. Die vierte Option ist die bewusste Begrenzung: Engagement begrenzen. Sie greift, wenn der Kundenzugang offen bleibt oder Kosten, Freigabedauer und Kapitalbindung den erwarteten wirtschaftlichen Beitrag übersteigen. Die Konsequenz ist, den Ausbau auszusetzen und Alternativen zu prüfen.

Das Modell ist auf das jeweilige Unternehmen und Kundenprogramm anzuwenden – es ersetzt keine individuelle Prüfung, gibt aber eine Reihenfolge vor, in der Technik, Kundenzugang und Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Methodisch stützt sich das Whitepaper auf 18 externe Kernquellen: den SEMI Equipment Forecast (Quellenstand 10.08.2026) sowie Geschäfts- und Halbjahresberichte von ASML, Applied Materials, Lam Research, KLA, Tokyo Electron, ASM, Advantest, Besi, ZEISS, TRUMPF, VAT, MKS, Comet und INFICON, ergänzt um imec und die EU-Kommission zur NanoIC-Pilotlinie. Externe Prognosen, Unternehmensangaben und eigene Modellannahmen sind durchgehend getrennt gekennzeichnet; die redaktionelle Belegprüfung erfolgte im September 2026. Die Publikation dient der strategischen Einordnung und ersetzt keine individuelle Beratung. Ein zweites Paper vertieft die operative Umsetzung: kritische Lieferanten prüfen, qualifizierte Kapazität absichern und den Hochlauf finanzieren.

Häufige Fragen

Was Sie zur Studie wissen sollten

  • Laut SEMI Equipment Forecast (14.07.2026) steigen die weltweiten Anlagenumsätze von 165,9 Mrd. USD im Jahr 2026 auf 229,5 Mrd. USD im Jahr 2028. Das sind +38,3 Prozent bzw. 17,6 Prozent pro Jahr; SEMI erwartet damit fünf Wachstumsjahre in Folge. Den größten Zuwachs trägt Wafer-Fab-Equipment mit +56,1 Mrd. USD.

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